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Mein liebes Kind… / Motivationsbrief an meine Tochter

Meine Tochter soll an einem schulinternen Tanzwettbewerb teilnehmen. Das „Sollen“ kommt von mir. „Ich kann das nicht.“, „Ich will nicht.“, „Mir fällt nichts ein.“, „Ich habe keine Zeit.“ kommt von ihr.

Meine Tochter ist eine begabte Tanzschülerin und eine ebenso begabte Sich-selbst-im-Weg-Steherin. Sie verfügt über ein großes Repertoire an den zitierten Sätzen, die sie denn auch mantrisch wiederholt in ihrer dramatisch dargebotenen Verzweiflung. In solchen Situationen verlasse ich meist den Raum, um einen kühlen Kopf zu bewahren. Und gehe duschen. Eingehüllt im Wasserdampf kann ich vortrefflich denken und mir meine Worte zurechtlegen.

Ich möchte den Motivationsbrief, den ich meiner Tochter geschrieben habe hier veröffentlichen, weil ich überzeugt bin, dass mehr Kinder als mein eigenes ein positives Mitgefühl sowie einen wohlwollenden Antrieb brauchen. 

In unserer leistungsorientierten Gesellschaft, in der ein Mensch stärker denn jemals zuvor von visuellen, rasant wechselnden und oberflächlichen Reizen geprägt wird, ist es meine Aufgabe als Mutter, mein Kind in seinem Sein zu beschützen und zu bestärken. 


Mein liebes Kind,

an diesem Tanzwettbewerb teilzunehmen, ist in erster Linie eine Möglichkeit, Dich Dir selbst zu beweisen. Du kannst Dir zeigen, was in Dir steckt. Das ist in meinen Augen eine ganze Menge. Du hast nicht nur das Talent, zu tanzen. Du hast die Begabung dafür, die Freude daran und auch die Leidenschaft, die es braucht, um meinen Blick als Zuschauerin fesseln zu können.

Du bist noch ein Kind und genau so wünsche ich mir, dass Du die Sache mit dem Wettbewerb angehst. Sei neugierig, sei gespannt, sei erpicht darauf, auszuprobieren, loszulegen, ja, zu springen! Geh‘ an die Sache ran wie Du bist: jung und sorgenfrei. Es wird womöglich keine andere Zeit mehr in Deinem Leben geben, in der Du Dich so ungebremst und vollkommen frei, dabei dennoch beschützt ausprobieren darfst.

Bitte: Sei mutig! Denn aus Mut wird Leben gemacht. Sei wild! Denn Du bist wunderbar.
Mach‘ aus dem Dich bedrohenden „ich soll“ ein Dich positiv anstachelndes „ich werde“ und Dir wird nichts und Niemand im Weg stehen. Nicht einmal Du selbst.

In Liebe,
Deine Mama


 

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