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Liebes Zwanzigeinundzwanzig

Liebes Zwanzigeinundzwanzig,

was warst du nur für ein Jahr für mich!? Von grauer Betrübtheit bis himmelhoher Glückseligkeit hieltest du eine ganze Armada an Gemütsbewegungen für mich bereit. Mein Zwanzigeinundzwanzig, du warst gewaltig von Anfang bis Ende!

Bräsig und aufgesetzt frohgemut kamst du daher; ein rechter Stiezel warst du. Fortschreitende Lockdownisierung gebar mentale Verzweiflungsmomente. In rhetorischer Raserei erschuf ich mein Lockdown-Tagebuch, wortgewaltig zu erbrechen, was mich innerlich zerbrach.
Es floss einiges an Salzwasser die Elbe runter bis der Zeitpunkt für Luftsprünge und Freudentränen endlich wieder gekommen war.

Mit vorsichtigen Schritten übte ich Gehversuche auf eigentlich mir bekanntem Terrain. Ich liebte noch immer, was ich sah und was ich tat. Doch blieb meine Liebe unerwidert. Oder nicht wahrnehmbar für mich. Möglicherweise hattest du, Zwanzigeinundzwanzig, am Sender gedreht und versehentlich die Frequenzen gewechselt. Wahrscheinlicher jedoch spieltest du Schicksal. Oder Blockflöte. Jedenfalls folgte ich dir und du führtest mich zu meinem Ich.

Die Tage wurden für einen Augenblick länger und die Gemüter bunter. Doch Gras wuchs nicht über diese eine pochende Stelle links im Torso. Für einen Sommer ließest du meine Seele noch einmal kräftig durchschütteln wie 007 die Martinis. Zwischen Abwägen und Verwerfen, zwischen Entscheiden und Weglaufen maltest du für mich den Faden rot.
Ich begann irgendwo. Und plötzlich wurdest du leicht, Zwanzigeinundzwanzig. Du vermochtest mich nicht mehr zu schrecken. Was mein Herz begehrte, erfüllte sich im Verlassen. Noch im Fortgehen kostete ich mein Erstaunen über meinen Mut.

Nun bist du dort, Zwanzigeinundzwanzig. Ich bin hier, am Puls meiner Träume. 
Du hast mich nicht gekriegt mit deinen wechselhaften Launen und deiner Unzuverlässigkeit. In zwölf Monaten bin ich gewachsen um unsichtbare Zentimeter an innerer Ausgeglichenheit, dem Spinat für meinen Seelenbizeps.
Du bist vergangen, dennoch präsent. Deine Endlichkeit beeinflusst meine Gegenwart.

Liebes Zwanzigeinundzwanzig, ich lasse dich jetzt los.

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Was lasse ich in 2021?

Mein Lockdown-Tagebuch,
meine Verzweiflung,
meine Passivität und mein Zaudern.

Was nehme ich mit nach 2022?

Meinen Mut und meine Träume,
meine Zuversicht,
mein inneres Kind.

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